Seit 1991 ist im stadteigenen, über 400 Jahre alten Gebäude des Eizenbergerhofs im Stadteil Lehen beim Stadtwerke-Areal das Literaturhaus Salzburg beheimatet. Aus dem anfänglichen Geheimtipp wurde inwischen längst der Ort für das Wort – in Salzburg und weit darüber hinaus.
Ein Trägerverein (mit dem „Jungen Literaturhaus“) und fünf autonome Salzburger Literaturvereine und Autorengruppen – manche von ihnen gibt es bereits seit Jahrzehnten in der Traklstadt – haben sich unter einem Dach organisiert und erarbeiten ein Programm für ein junges und erwachsenes Publikum: abwechslungsreich, engagiert und professionell – nach dem Motto „Literaturhaus Salzburg, wo das Leben zur Sprache kommt“.
Das zweistöckige, historisch wertvolle Gebäude beherbergt neben Veranstaltungsräumen, die auf Anfrage vermietet werden, und Büros auch eine Bibliothek und ein kleines Café (abends bei Veranstaltungen geöffnet) – benannt nach dem Dichter H.C. Artmann, Namenspatron für den Platz vor dem Haus.
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Literaturhaus Salzburg
Verein Literaturhaus Strubergasse 23 A-5020Salzburg
In ihrem Buch „Gefühlt schwerelos“ verbindet Diana Kauba ihre großen Leidenschaften: Schreiben und Tauchen. Sie erzählt von Begegnungen in dieser faszinierenden Parallelwelt und berichtet offen über persönliche Herausforderungen und Ängste. An diesem Abend wird zudem eine ungewöhnliche Figur eine kleine Rolle einnehmen.
Immer wieder begegnet man in Ingeborg Kraschls Buch „Licht über dem Schatten“ einer gewissen Sehnsucht, einem Anklingen von Problemen und ihren Lösungsversuchen, Erinnerungen und Rückblicken. Gedichte begleiten die Erzählungen, indem sie sich den verschiedenen Themen nähern und einen reizvollen Zusammenhang zwischen Lyrik und Prosa gestalten.
Klaus Papula, Autor und Psychologe, schreibt in flottem Stil tragische, komische und berührende Texte über das Reiben, Kleben, Zerren und Schaben der Menschen aneinander. Kurzgeschichten von ihm sind nachzulesen in seinem Band „Die Fische meiner Tante Berta“ (Verlag Innsalz 2024).
Für musikalische Begleitung sorgt Sabine Kaubisch auf ihrer Handpan.
„Ach die dumme Literatur!“, beklagte der Dichter und Maler Hermann Hesse in einem Brief 1907 die Schwierigkeit, „was Rechtes“ zu Papier zu bringen.
Der österreichische Comic-Künstler Nicolas Mahler hat in Briefen, Tagebüchern und Werken bekannter Autorinnen und Autoren gestöbert und gleichermaßen niederschmetternde wie erheiternde Zeugnisse literarischer Knochenarbeit zu Tage gefördert. Daraus entstand „Ach die dumme Literatur!“ mit Zeichnungen und Originalzitaten von Marguerite Duras über Peter Handke und James Joyce bis Thomas Mann. Und ganz nebenbei wird damit einer der sehnlichsten Wünsche von Hermann Hesse erfüllt: „Ferner möchte ich ein humoristisches Büchlein haben, mit guten Witzen und dergleichen.“
Noch vor Erscheinen des gleichnamigen Suhrkamp-Bandes im April 2026 wird im Literaturhaus Salzburg die Ausstellung „Ach die dumme Literatur!“ von Nicolas Mahler als Österreich-Premiere gezeigt.
Veranstalter: Verein Literaturhaus
Eintritt frei
Die Ausstellung wird bis 27. März 2026 zu sehen sein.
Gespräch & Musik, Vernissage mit Lesung
Beteiligte: Erwin Rehling, Nicolas Mahler, Wolfram Berger
Nicolas Mahler enthüllt in seiner jüngsten Arbeit das Seelenleben von Giganten der modernen Literatur. In der Schau „Ach die dumme Literatur!“ (Zitat Hermann Hesse) zeigt er Porträts von Berühmtheiten mit witzigen Bonmots aus Tagebüchern und Briefen – gelesen von Wolfram Berger, musikalisch begleitet von Klangkünstler Erwin Rehling. Davor ist der Comic-Zeichner im Gespräch mit Tomas Friedmann zu erleben.
Mahler sucht und findet bei Literaten den Witz, den er kongenial zu Papier bringt. Beispiel: Veranstaltungen mit prominenten Autor*innen sind beim Publikum beliebt. Die einzigen, die solche Spektakel mitunter hassen, sind die Auftretenden – zumindest wenn man ihren Aufzeichnungen glaubt; nachzulesen beim tragischen Liebespaar Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Sie wirft ihm vor, er habe sie mit falschen Versprechungen auf Lesereise gelockt, wie Mahler im Interview erzählt: „Da hat man dann die Fans und die jungen Männer, die sie umschwärmen werden. So hat er ihr das geschildert. Doch sie hat es anders empfunden: Sie stinkt die ganze Zeit im Zug und die Hotels sind schrecklich. Das ist so übertrieben, dass man darüber lachen kann.“
Das neue Buch „Steckt den Sand nicht in den Kopf“ (Zsolnay Verlag, 2025) von Franz Schuh ist Kaffeehausliteratur par excellence. Es gilt, dass man den Kopf nicht in den Sand stecken soll. Ebenso gilt, dass man den Sand, der einem in die Augen gestreut wird, nicht für Wahres oder Bares nehmen sollte. Der Schriftsteller liest aus seinem Buch, dazu spielt die Pianistin Suyna Kim ausgewählte Stücke.
Schuhs neues Buch ist der Versuch einer Orientierung in einer Zeit, in der Desorientierung unvermeidlich erscheint. Es ist ein Zeitbild und zugleich eine subjektive Zeitzeugenschaft, die auf verschiedenen Ebenen auf die Probe gestellt wird – bis zur Diskussion der Wahrheitsfrage, die auf Tendenzen reagiert, „Wahrheit“ überhaupt abzuschaffen. Figuren wie der Wirecard-Großbetrüger Jan Marsalek, der gerüchteweise eine späte Karriere als Spion macht, werden nicht übersehen, und manchmal blitzt auch der Name René Benko auf.
All the World´s a Screen: Henry V | Laurence Olivier
Filmclub | Shakespeare im Film
England 1415. Im Namen Edwards III. erhebt der junge Normannenkönig Henry V. seinen Anspruch auf den französischen Thron und setzt mit einem Heer auf das Festland über. Der schwache französische König zögert lange, bis er dem Siegeszug der Engländer entgegentritt. Als Krankheiten und mangelnde Verpflegung das Heer schwächen, will sich Henry V nach Calais zurückziehen. Bei Azincourt steht ihm eine französische Übermacht gegenüber. Vor der Schlacht kann der König seine Männer aber derart motivieren, dass die Engländer den Gegner vernichtend schlagen.
Basierend auf dem bedeutendsten Historiendrama des Autors schuf Laurence Olivier als Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor mit „Henry V“ seine von vielen am höchsten bewertete Shakespeare-Verfilmung. Sie ist auch zeitgeschichtlich signifikant: Während des Zweiten Weltkriegs gedreht, wurde die Siegeserzählung von Henry V zur Stärkung des Nationalstolzes der britischen Truppen instrumentalisiert.
Einführung: Manfred Mittermayer
Eintritt Kartenpreise DAS KINO, Mitglieder Leselampe und DAS KINO frei
Veranstalter: Das Kino, Literaturforum Leselampe www.daskino.at
Buchpräsentation & Gespräch
Beteiligte: Paul Lendvai
Paul Lendvai wurde in Ungarn als Sohn jüdischer Eltern geboren, den Holocaust hat er dank eines Schweizer Schutzpasses überlebt. 1953 wurde er als „Trotzkist“ inhaftiert, danach mit Berufsverbot belegt. 1957 gelang ihm die Flucht nach Österreich, hier wurde er zum international tätigen Publizisten, zu einem der profiliertesten Kenner Ost- und Südosteuropas und nicht zuletzt zum entschiedenen Europäer.
Die Frage „Wer bin ich“, die Paul Lendvais neuem Buch den Titel gibt, findet ihre Antwort im Verweis auf das Ineinander verschiedenster Prägungen: Identität ist nur als Vielfaches zu denken und als Summe lebensgeschichtlicher Erfahrungen.
Der Autor versteht es, Biografisches mit Analytischem, Erinnerung mit Reflexion zu verschränken. Im Rückblick auf das eigene Leben bringt Paul Lendvai die mitteleuropäische Geschichte des letzten Jahrhunderts ebenso in den Blick wie die Sorge um unsere aktuelle Gegenwart: „Die Zerbrechlichkeit der Freiheit ist die einfachste und zugleich tiefste Lehre aus meinem langen Leben, aus meinen vier Identitäten als Österreicher und Ungar, Jude und Europäer.“
Paul Lendvai, geb. 1929 in Budapest, lebt seit 1957 in Wien. Er gründete die Zeitschrift „Europäische Rundschau“, war u.a. Leiter des ORF-Europastudios und ist Kolumnist der Wiener Tageszeitung „Der Standard“. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik (2005), Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (2020). „Wer bin ich?“ ist im Zsolnay Verlag erschienen.
Buchpräsentation mit Lesung & Musik
Beteiligte: Alfred Goubran, Friedrich Ani
Friedrich Ani ist seit 2008 jährlich Fixstarter beim Salzburger Krimifest. Die literarische Bandbreite des preisgekrönten Schriftstellers ist jedoch viel größer und reicht von Romanen und Jugendbüchern über Lyrik und Drama bis zu Drehbüchern und Hörspielen. In seinem neuen Buch „Schlupfwinkel. Fantasien über eine fremde Heimat“ (Suhrkamp, 2025) erzählt er vom Werdegang eines Autors, der zwar seine Sprache findet und Erfolge feiert, aber im Leben einer Verlorener bleibt. Ani liest und spricht mit Literaturhaus-Leiter Tomas Friedmann. Dazu sind live Songs von Bob Dylan zu hören, interpretiert vom österreichischen Autor und Musiker Alfred Goubran.
Ein Dorf in Bayern, Ende der 1950er Jahre: Ein Kind kommt zur Welt aus einer Verbindung, die hier niemand für möglich gehalten hätte. Die Mutter ist „heimatvertriebene“ Schlesierin, der Vater Medizinstudent aus Syrien, der am Goethe-Institut Deutsch lernt. Beim Kennenlernen gab es keine gemeinsame Sprache, ihr Sprechen blieb ein Leben lang brüchig. So wächst das Kind in einer Atmosphäre des Schweigens auf, sucht nach einem Schlupfwinkel für die eigene Existenz und findet ihn in der Literatur.
Eva Schmidt, Sabine Scholl:
Neben Fremden / Die zweite Haut
Lesungen & Gespräch
Beteiligte: Eva Schmidt, Sabine Scholl
Eva Schmidt und Sabine Scholl erzählen von familiären Beziehungen und der Suche nach der eigenen Identität:
In ihrem Roman „Neben Fremden“ (Jung und Jung Verlag, 2025) erzählt Eva Schmidt von einer pensionierten Krankenpflegerin, die sich um ihre Mutter kümmert, zu der sie keine gute Beziehung hat. Als sie zu einer Reise aufbricht, erreicht sie ein Brief ihres Sohnes, zu dem sie keinen Kontakt mehr hatte.
Sabine Scholl verwebt Erinnerungen an Familie und Herkunft mit Modegeschichte in ihrem Buch „Die zweite Haut“ (Weissbooks Verlag, 2025): Ausgehend von der Beziehung zu ihrer Mutter, die für ihre Tochter genäht hat, zeigt Scholl, wie an Stoffen und Kleidern Armut und Ausgrenzung, Scham und Kampf um Emanzipation greifbar werden. Sabine Scholl folgt in ihrem autofiktionalen Text der Erzählerin als Studentin, Schriftstellerin und Mutter.
„Max Goldt ist der Inbegriff von Menschlichkeit.“ (Durs Grünbein)
Endlich gibt´s ein neues Buch des großen Satirikers und Stilisten Max Goldt, ein „Must-see“ für Liebhaber*innen des feinen Humors. Nach Jahren meldet sich der deutsche Satire-Altmeister mit Kolumnen und Dramoletten zurück – und schafft in „Aber?“ (dtv, 2025) einen Gegensound zum geistlosen Zeitgeist. Typisch Goldt!
Man genießt, wie der Schriftsteller in gewohnter Manier – also mit Biss, Sprachwitz und analytischem Scharfsinn – blinde Flecken, vor allem der gesellschaftlichen Linken, entblößt. Max Goldt schreibt gegen die Selbstgefälligkeit hinter Gesten der Betroffenheit an und kämpft mit Sprache gegen die Schrumpfkommunikation der Medien, ist in einer Rezension zu lesen. Seine Texte sind ein erfrischender Pol gegen Verblendung und Verkürzung, denen wir ununterbrochen ausgesetzt sind: in sozialen Medien, im Fernsehen oder auch in so einigen vermeintlich progressiven Kreisen. Die Literatur von Max Goldt ist zeitlos und versprüht ein köstlich-pikantes Gegengift zum Stumpfsinn unserer Zeit.
Literarisch-musikalische Geburtstags-Party mit Swing
Beteiligte: Barbara Keller, Christa Stierl, Katalin Jesch, Margot Koller
Honey Rose-Quartett
Ende Dezember 25 wäre Hildegard Knef hundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass veranstaltet die SAG eine literarisch-musikalische Geburtstagsparty, bei der auch getanzt werden darf.
Gefeiert wird nicht nur eine Autorin, Schauspielerin und Sängerin, sondern vor allem eine faszinierende Persönlichkeit, die es gewagt hat, eigene Wege zu gehen. Nicht zuletzt soll ihres literarischen Werkes gedacht werden, aus dem nicht nur die selbst verfassten Liedtexte herausstechen, sondern auch der autobiographische Roman „Der geschenkte Gaul“ es zum Bestseller brachte.
Vier Salzburger Autorinnen haben sich über diese Jahrhundertfigur Gedanken gemacht und werden die entsprechenden Texte dazu vortragen: Barbara Keller, Margot H. Koller, Katalin Jesch und Christa Stierl.
Den musikalischen Part übernimmt das „Honey Rose-Quartett“ (Hanna Rose, Lukas Kranjc, Peter Reutterer und Ulrich Sick). Seit ihrer Jugend ist die Dame aus dem Pongau von „der Knef“ begeistert.
Neu und überraschend ist das Impro-Format des Salzburger WeGe-theaters immer – und längst ein Fixpunkt im Jahresprogramm des Salzburger Literaturhauses. Nun laden die Akteure zum ihrem Jänner-Auftritt ein!
Es geht um eine Sache, die es schon wert ist, auseinandergenommen und sorgfältig überholt zu werden. Was da erzählt wird, verdient das Gütesiegel „neu renoviert“ (leichte Gebrauchsspuren werden zugestanden). Auf der Bühne sind wie immer 5 bis 7 engagierte Laienschauspieler*innen, die in 55 Minuten eine Geschichte entwerfen – oder mehrere Geschichten, die am Ende möglicherweise zusammenfinden zu einer besonderen Erzählung. Sicher ist nichts, denn alles entsteht aus dem Moment …
Lesung & Gespräch (ungarisch/deutsch)
Beteiligte: András Visky
Übersetzung: Timea Tanko
András ist das jüngste von sieben Kindern. Nachdem der Vater von den kommunistischen Machthabern zu 22 Jahren Haft verurteilt wurde, wird auch seine Familie „ausgesiedelt“. In der Bărăgan-Steppe, im Osten Rumäniens, zieht die Mutter Júlia über vier Jahre lang mit ihren Kindern von Lager zu Lager, sie wohnen in Erdlöchern, verrichten Zwangsarbeit, halten sich aneinander aufrecht, setzen den Bedingungen der Lagerhaft den unbedingten Willen zur inneren Freiheit entgegen.
In akribischer Erinnerungsarbeit, zugleich mit der Kraft der Imagination schreibt András Visky vom Äußersten der Existenz. 822 Erzählfragmente, manchmal nur wenige Sätze lang, fügen sich zu einem großen Roman, der sich nicht nur als Dokument des Überlebens liest, sondern vor allem als eines des Liebens und einer ungebrochenen Haltung des Widerstands.
„Ein Buch, wie es kaum jemals in einem Jahrhundert geschrieben wird.“ (Péter Nádas)
András Visky, geb. 1957, lebt als namhafter rumänisch-ungarischer Theaterautor, Regisseur und Dramaturg in Cluj-Napoca (Rumänien). Er schrieb Stücke, Gedichte und Essays, bevor er 2022 seinen ersten Roman „Kitelepités“ veröffentlichte. Das Buch wurde zu einem Sensationserfolg. In der Übersetzung von Timea Tanko ist „Die Aussiedlung“ nun auch auf Deutsch zugänglich, erschienen im Suhrkamp Verlag.
Bewertungen & Berichte András Visky: Die Aussiedlung
1Lesung
¡lesen lassen!
Offene Lesebühne
Schreiber:innen aller Altersgruppen haben die Möglichkeit, außerhalb ihres Freundeskreises unterschiedliche Reaktionen und konstruktive Kritik zu erhalten. erostepost lädt nach Feierabend zu dieser freundlich erdnahen Runde ein!
¡lesen lassen! ist seit über 30 Jahren eine Salzburger Veranstaltungs-Serie des Literaturvereins erostepost. Teammitglieder sowie Neuankömmlinge werden dazu angeregt, ihren Gedanken Form zu geben. Kurze Ideen, kleine Geschichten und Verdichtung sind Herangehensweisen an das Schreiben, die das weite Feld der Kreativität öffnen. Dazu wird angeregt: Wofür steht Literatur? Was bewegt uns?
Die Lesenden melden sich eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn mit 2 vorbereiteten Texten von jeweils 5 & 10 Minuten Lesezeit im Café des Literaturhauses an. In der ersten Runde lesen die Autor:innen den kurzen Text. Danach stimmen alle Anwesenden darüber ab, wer in die zweite Runde kommen soll. Nach einer Diskussion wird mittels Stimmzettel ein:e Sieger:in ermittelt. Hinein ins Vergnügen: ¡Lesen und lesen lassen!
Oswald Egger.
Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung
Das neue Werk des Büchner-Preisträgers! Der Südtiroler Schriftsteller Oswald Egger stellt sein Buch „Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung“ (SV, 2025) vor.
Als Oskar Fiala, ein in der linken Sozialdemokratie verankerter, vergessener, unbekannter Autor, verarmt und namenlos, 1948 in einem Vorort von Leipzig starb, steht in seiner Todesurkunde die Berufsbezeichnung „Arbeiter, Tiefbau“. Der junge Journalist und Schriftsteller führte kreuz und quer durch Europa ein ruhe- und zielloses Wanderleben, dem erst der Weltkrieg ein Ende setzte. Immer wieder kam es dabei zu Schüben dissoziativer Störungen, zur Heranbildung einer neuen Identität, in deren Namen er die tollkühnsten Taten vollführte. Er sammelte Erlebnisse auf, die ihm als Welt in der Welt erscheinen wollten, in deren Beschränkungen er seine Eskapaden auszumalen wusste.
Oskar Fiala blickt unentwegt in seinen Welten in der Welt umher, verknüpft das Unverträgliche, jedoch dergestalt, dass ein ungeheimer Faden sich mitschlinge, wodurch das ganze Um und Auf selbstverschränkt als bunte Einheit erscheint.
Oswald Egger, geb. 1963 in Lana/Südtirol, lebt auf der Raketenstation Hombroich nahe Neuss (D). Seine Prosa und Gedichte sind in viele Sprachen übersetzt und ausgezeichnet, zuletzt mit dem Georg-Büchner-Preis 2024. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.
Stefan Maurer:
Die vielen Leben der Brigitte Schwaiger
Literatur- frühstück
Brigitte Schwaiger (1949–2010) gelang mit ihrem Debütroman „Wie kommt das Salz ins Meer“ (1977) ein zeitloser Bestseller, der zum „Kultbuch“ einer ganzen Generation avancierte und Übersetzung in mehrere Sprachen fand. Die nachfolgenden literarischen Werke – über 18 Bücher, deren Themen von der Anti-Heimatliteratur und „Väterliteratur“ sowie Aufarbeitung der katholischen Erziehung im Kloster bis zur Shoah in „Die Galizianerin“ (1982) reichen – wurden von der Literaturkritik aber nur noch am Sensationserfolg des Debüts gemessen. Schlaglichtartig soll das Werk sowie die Biografie der Schriftstellerin Brigitte Schwaiger beleuchtet werden, die nicht nur zeitlebens als bildende Künstlerin aktiv war, – sie verfasste gemeinsam mit Arnulf Rainer das Buch „Malstunde“ (1980) –, sondern auch als politische Autorin und Aktivistin vorgestellt werden soll.
Stefan Maurer, Literaturwissenschafter am StifterHaus Linz, ist der Kurator der Ausstellung „Brigitte Schwaiger – ,Wenn man schreibt, hält man das für Realität, was man schreibt.‘“ im StifterHaus, zu sehen bis 13. März 2026.
Konrad Paul Liessmann:
Was nun? Eine Philosophie der Krise
Lesung & Gespräch
„Mit seinen pointierten, zugänglichen Texten zeigt der Essayist wieder einmal, dass die Philosophie in unruhigen Zeiten nicht verzagen muss, sondern einen gewichtigen Beitrag zur geistigen Orientierungsfähigkeit leisten kann.“ (Welt am Sonntag)
Konrad Paul Liessmann stellt sein jüngstes Buch „Was nun? Eine Philosophie der Krise“ (Zsolnay Verlag, 2025) vor – in Lesung und im Gespräch mit Tomas Friedmann.
Wir leben in einer Zeit der Krisen. So weit, so schlecht. Aber wie zeigen sich diese Krisen? Welche Bereiche unseres Lebens sind davon betroffen? Und stecken in den Krisen auch tatsächlich die viel beschworenen Chancen? Eines ist klar: Krise bedeutet kein „Weiter wie bisher“.
Liessmann entfaltet ein Panorama unserer krisengeschüttelten Welt und wirft einen unbestechlichen Blick auf Emotionen und Denkweisen, die nun zur Disposition stehen. Von der Krise der Freiheit bis zur Krise der Moral reichen seine Themen, beunruhigend aufregend – denn in jeder Krise geht es um eine Frage: Wird über uns entschieden, oder entscheiden wir selbst?
Konrad Paul Liessmann, geb. 1953 in Villach, ist Professor Emeritus für Philosophie an der Universität Wien, wo er als preisgekrönter Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist lebt. Zuletzt erschienen die Bücher „Lauter Lügen“ (2023) und „Der Plattenspieler“ (2025).
Macbeth, dem Thane of Glamis, wird von drei Hexen prophezeit, dass er bald König von Schottland sein werde. Angetrieben von Ehrgeiz und angespornt von seiner Frau, ermordet Macbeth König Duncan und besteigt den Thron. Während der neue Herrscher von Schuldgefühlen gequält wird, rüstet Duncans Sohn Banquo eine Armee gegen den Königsmörder.
Mit Orson Welles sehen wir einen weiteren großen Shakespeare-Schauspieler und -Regisseur in der Filmversion eines Historienstücks. Wenige Jahre nach Laurence Oliviers „Henry V“ legte auch er eine außergewöhnliche Shakespeare-Adaption vor. Mit geringem Budget ausgestattet, gestaltete Welles ein kompromissloses abstraktes Filmkunstwerk, in dem er die Vorlage theaternahe und expressiv inszenierte.
USA 1948; Regie/ Drehbuch: Orson Welles; Kamera: John L. Russell; mit: Orson Welles, Jeanette Nolan, Dan O’Herlihy, Roddy McDowall u.a.; 107 Min.; engl. OmU
Einführung: Manfred Mittermayer
Veranstalter: Das Kino, Literaturforum Leselampe
Eintritt DAS KINO, Mitglieder Leselampe und DAS KINO frei
David & Paul Gulda:
Loew. Lebenswege einer jüdischen Familie
Literarisch-musikalischer Abend
„Loew“ (Böhlau Verlag, 2025) ist ein faszinierendes Gewebe aus Weltgeschichte und persönlicher Familienbiografie. Das Brüderpaar David und Paul Gulda stellt das Buch in Lesung mit Klavier vor.
Autor David Gulda – älterer Sohn des Pianisten Friedrich Gulda und der Schauspielerin Paola Loew – führt durch zwei Jahrhunderte und durch die halbe k.u.k. Monarchie, über Italien bis nach Südamerika und zurück. Mithilfe von sorgfältig recherchierten Fakten und fiktionalen Elementen entfaltet er die Geschichte einer jüdischen Familie im Spannungsfeld von Tradition, Säkularisierung und Umbrüchen vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert. Politische Umwälzungen, religiöse Fragestellungen und musikalische Einflüsse werden zu einem vielschichtigen Gesamtbild verflochten. Der Text ist ein einfühlsames Porträt, das ohne erhobenen Zeigefinger aufschlussreich und unterhaltsam zugleich ist – ein Werk für alle, die sich für jüdische Geschichte, Kultur und menschliche Schicksale interessieren. Der Pianist Paul Gulda hat das Nachwort zum Buch verfasst und begleitet den Abend am Piano.
David Gulda, geb. 1956 in Wien, promovierter Jurist, Abschluss in Philosophie, viele Jahre im In- und Ausland in der Wirtschaft tätig.
Paul Gulda, geb. 1961 in Wien, seit 1980 im In- und Ausland tätig als Pianist, Musiker, Pädagoge bzw. Mentor.
Lesungen aus der Shortlist
Beteiligte: Carla Nagel, Felicia Aparicio Lukaßowitz, Lelia Strysewske
Im Februar dürfen wir auf die Einsendungen zum Literaturpreis 2025 zurückblicken. Wir waren auf der Suche nach einem Genre, das sich Taxitexte nennt, und bekamen zwei Dutzend Anfragen, was genau Taxitexte seien. Das können wir bis dato nicht genau beantworten, aber wir schenken Eindrücke. Seid gespannt auf dreimal wunderbare Prosatexte, die unterschiedlicher nicht sein können.
Lelia Strysewske wuchs auf in den 60er Jahren in Wolfsburg, lebte in Australien, wohnt, schreibt, liest, tanzt und leitet ihre psychotherapeutische Praxis in Göttingen, gewann u.a. den Godesberger Literaturpreis.
Felicia Aparicio Lukaßowitz, geb. 1996, aufgewachsen in Bonn. Ihre Texte wurden in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, mit dem Moerser Literaturpreis ausgezeichnet und für den Hanns-Meinke-Preis nominiert.
Carla Nagel lebt in München und Offenbach am Main. Ihre Arbeiten bestehen aus Texten, Collagen, Büchern oder Audio-Zeichnungen, die häufig Teil einer Installation werden, innerhalb der eine Lesung oder Performance stattfindet.
Als Vor-Premiere stellt Karl-Markus Gauß erstmals sein neues Buch „Die Liebe kommt immer zu spät“ (Zsolnay Verlag 2026) öffentlich vor. Der bekannte Salzburger Schriftsteller und Literaturkritiker liest aus seinen drei neuen Reiseerzählungen und spricht mit Literaturhaus-Leiter Tomas Friedmann.
Karl-Markus Gauß, der literarische Kartograf der europäischen Ränder, ist wieder auf Reisen gegangen. In Bosnien sucht er nach den Spuren einer multikulturellen Welt und findet sie bei seinem verstorbenen Freund Dževad Karahasan. In Slowenien folgt er den Lebenswegen zweier tapferer Frauen, einer legendären Anwältin, die sich die Freiheit nahm, bald als Frau, bald als Mann zu leben, und einer kleinwüchsigen Schriftstellerin, deren Bücher auf der ganzen Welt gelesen wurden und die in der Stadt, die sie jetzt feiert, völlig verarmt gestorben ist. Und warum das obersteirische Bruck an der Mur und Beloiannisz in der ungarischen Puszta eigentlich auf dem Peloponnes liegen und Österreich auch eine griechische Geschichte hat, ist aus der dritten Reiseerzählung zu erfahren.
Karl-Markus Gauß, geb. 1954 in Salzburg, wo er als Autor und Kritiker lebt. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt und ausgezeichnet, zuletzt mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (2022) und dem Arik-Brauer-Publizistikpreis (2025). Jüngst erschienen die Bücher „Schiff aus Stein“ (2024), „Schuldhafte Gewissheit: Essays wider Zeitgeist und Judenhass“ und „Gedankenspiele über die Gelassenheit“ (beide 2025).
Beteiligte: Andreas Peters, Hans-Christian Bauer, Horst Weber
Hans-Christian Bauer liest eine Erzählung, die eine zukünftige KI-Situation beschreibt. KI wird dann aber eine andere Bedeutung haben, sie wird als Abkürzung für „Künstliche Identität“ gebraucht werden. Der Text, mit dem Titel „Der Kuss der Spinnenfrau“, ist eine Art Liebesgeschichte, in der sich die zwei Beteiligten im Unklaren sind über die Identität des Partners.
Andreas A. Peters liest aus seinem Gedichtband „Der schnelle braune Fuchs springt über den Rücken des faulen Hundes“, Gedichte über den Ukraine-Krieg, Gott und den Sargdeckel, über „Das Sterben der Fußballstadien“ und über Donald AN BORD DER AIR FORCE ONE“ // EIN POEM.
Horst Weber stellt sich in seinem Lesebeitrag folgende Fragen: Was hat die Doppik der Buchhaltung auf einem Friedhof verloren? Noch dazu auf einem jüdischen, auf dem die unselige Vergangenheit des Wiener Judentums ihr anklagendes Haupt hebt? Wie bringt die pietätlose Nutzung dieser stillen, verwahrlosten Örtlichkeit die Gefühle eines jungen Paares gehörig durcheinander?
„In dieser Sommernacht war Eva Nagel zur Donau gegangen mit der Absicht, sich ins Wasser zu werfen, aber stattdessen warf sie sich in die Arme des Infanterieleutnants Alois Kozusnik.“ Dieser Satz steht am Beginn eines über 1.000 Seiten langen Epos, das Figuren ins Blickfeld bringt, die in der Geschichtsschreibung zu den Vergessenen gehören. „Zeit der Mutigen“ folgt den verzweigten Geschichten dreier Familien quer durch Mitteleuropa und das 20. Jahrhundert, durch zwei Weltkriege, Faschismus, Stalinismus.
Den Erfahrungen politischer Gewalt setzen die Heldinnen und Helden dieses Romans ihre je eigenen Strategien des Überlebens und Widerstehens entgegen – die Frage, was einen Menschen im moralischen Sinn aufrechtbleiben lässt, durchzieht das gesamte Buch: „Das Gute ist an keine Zeit gebunden.“
Dimitré Dinevs Roman mäandert durch die Zeit wie die Donau, deren Verläufen er folgt. Er erzählt von ersten und letzten Dingen, von Grobheit und Zartheit, von Menschen, Tieren und Natur, von Leben und Lieben. Und er erzählt von der Notwendigkeit des Erzählens.
Dimitré Dinev, geboren 1968 in Plovdiv (Bulgarien), lebt seit 1990 in Wien. Er schreibt auf Deutsch, veröffentlichte Drehbücher, Essays, Erzählungen, Theaterstücke und seinen ersten Roman „Engelszungen“, mit dem er europaweit bekannt wurde. „Zeit der Mutigen“, soeben mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet, ist im Verlag Kein & Aber erschienen.
Abschiedsfest: Gespräch & Live-Musik sowie Buffet
Beteiligte: Ilija Trojanow, Klaus Seufer-Wasserthal, Trio Angerer-Haslauer-Rico
Wem hat er nicht schon einmal gute Bücher empfohlen?! Jede Leserin und jeder Leser in der Stadt Salzburg kennt den engagierten Buchhändler Klaus Seufer-Wasserthal. Kaum vorstellbar, dass dieses Urgestein der Literaturszene in Pension geht. Zum Abschied schenkt ihm das Literaturhaus ein Fest – und lädt alle zum Mitfeiern ein.
Der Schriftsteller Ilija Trojanow, ein langjähriger Freund, spricht mit dem Buchhändler – naturgemäß – über Lieblingsbücher, über Arbeit und Vergnügen, über Literatur und das Leben. Musik: Gernot Haslauer (Kontrabass, Posaune), Danny Rico (Piano) und Peter Angerer (Schlagzeug u.a.).
Neben der Leitung der renommierten Rupertus Buchhandlung organisierte Klaus jahrzehntelang bei Veranstaltungen in Stadt und Land die Büchertische. Der belesene Kenner saß in Jurys, vertrat als WK-Obmann des Fachverbands Buch- und Medienwirtschaft die Branche, war Co-Leiter des Literaturfests, organisierte die Buchtage sowie eigene Lesungen in der Buchhandlung, die er gelegentlich auch moderierte. Für seine Arbeit wurde der Vorsitzende des Literaturhaus-Trägervereins ausgezeichnet.
Klaus Seufer-Wasserthal, geb. 1960 in Schwanenstadt, studierte in Salzburg Germanistik und Geschichte, wurde 1993 Buchhändler und war ab 2005 Geschäftsführer der Rupertus Buchhandlung.
Schreibwerkstatt:
Petra Nagenkögel - Raum schaffen
„Literatur ist Struktur und Beziehung: das Erscheinen des Wirklichen braucht einen Raum, nicht unbedingt einen Sinn.“ (Thomas Stangl)
Welche Bedeutung hat der Raum für das Entstehen eines Textes? In welche Beziehungen treten Figuren, Körper, Gegenstände zum Raum, der sie umgibt? Und ist nicht der Text selbst begreifbar als Raum?
Wir werden uns mit der Gestaltung von Räumen beschäftigen. Mit Zimmern und Schränken, Eingängen und Ausgängen, Dachböden und Hinterhöfen, aber auch mit Lebensräumen, Gedächtnisräumen, Außen- und Innenräumen, mit Freiraum und Weltraum. Wir werden experimentieren mit Positionen und Koordinaten, mit Zentrum und Rand, Nähe und Ferne. Wir werden ein- und ausräumen, um- und ab- und verräumen. Wir werden Raum schaffen und ihn betreten, durchstreifen, verändern, verlassen.
Petra Nagenkögel, geb. 1968 in Linz, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Salzburg, Autorin und seit 1996 Leiterin des Literaturvereins prolit, lebt in Wien. Im Verlag Jung und Jung erschien 2019 „Dort. Geografie der Unruhe“.
Nora-Eugenie Gomringer:
Am Meerschwein übt das Kind den Tod
Nora Gomringer zählt als Lyrikerin, Performerin und Vortragende zu den bekanntesten Autorinnen ihrer Generation. Für ihr jüngstes Buch „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“ (Verlag Voland & Quist, 2025) erfand sie eine eigene Gattungsbezeichnung: Nachrough. Es geht um ein aufgerautes Nachrufen in Richtung der verstorbenen Mutter. „Ich schreibe ihr hinterher als vermissende Tochter, als wütende Frau, als verstummte Dichterin und wundere mich, wie wenig sie sich beschwören lässt, wenn ich es will.“
Vorab versprach Gomringer ihrem Verleger:
„Es wird ein lustiges Buch!“ Sie hielt Wort. So bleibt das Dokument der Todessichtigkeit frei von jeglicher Morbidität – gehalten im typischen Gomringer-Ton, für den sie 2025 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet wurde. Der Text geht zurück in die Kindheit, als ausrangierte Fahrradschläuche noch kniehohen Seepferdchen glichen, Meerschweinchen Paula hießen und von Rottweilern namens Jago totgebissen wurden. Die Erinnerung an die Mutter wird zum „Gang durch ein Museum mit wechselnder Hängung“.
Nora Gomringer, geb. 1980 im saarländischen Neunkirchen/Saar, lebt in Bamberg, wo sie das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia leitet. Sie ist deutsch-schweizerische Autorin und Filmemacherin, schreibt fürs Theater und Feuilleton, spricht für Radio und TV und erarbeitet Projekte mit Musikern und Künstlern. Ihr Werk ist in viele Sprachen übersetzt und mehrfach preisgekrönt.
Eintritt € 12/10/8
Veranstalter: Literaturforum Leselampe, Verein Literaturhaus
Drei Bände, mehr als 1.500 Seiten, dreieinhalb Millionen Zeichen. Ein Befragen familiärer Geschichte, ein Befragen von Vergangenem, ein Neubuchstabieren von Welt: Z Ypsilon X.
In seinem nach „(Krieg und Welt)“ zweiten monumentalen Prosawerk folgt Peter Waterhouse den biografischen Spuren des Großvaters Edgar Alker, vor allem aber folgt er dessen Lektüren, den Notizen und Unterstreichungen in den Werken, die er gesammelt hatte. Der Großvater war Kenner und Verehrer der Werke von Karl Kraus, er war Leser von Trakl, Dickens, Peter Altenberg. Und er war Hauptschriftleiter beim „Kleinen Blatt“, beförderte die Propaganda des NS-Regimes – ein kaum auflösbarer Widerspruch, der dem Autor zum Ausgangspunkt seines sich tastend und zögernd immer weiter fortsetzenden Lesens, Fragens und Schreibens wird.
„Z Ypsilon X“ verweigert sich jeder behauptenden Deutung von Welt. Stattdessen eröffnen sich bei der Bewegung durch diesen Text Räume des Möglichen, das unsere Wahrnehmung von Welt zu verändern weiß.
Peter Waterhouse, geb. 1956 in Berlin, lebt in Wien und Št. Vid v Podjuni. Nach dem Studium der Germanistik und Anglistik promovierte Waterhouse 1984 mit einer Arbeit über Paul Celan. Als Autor verfasst er Lyrik, Prosa, Essays, zudem ist er als Übersetzer aus dem Englischen und Italienischen tätig. „Z Ypsilon X“ ist bei Matthes & Seitz erschienen.
Bücher & Buffet, Hörspiele & Gespräch
Beteiligte: Peter Klein
Seit der Eröffnung des Salzburger Literaturhauses im Herbst 1991 können Hörspiele nicht nur im Radio, sondern auch öffentlich vor Publikum erlebt werden – vor allem bei der „Langen Hörspiel-Nacht“. In der jährlichen Kooperation mit Ö1 sind ausgewählte ORF-Produktionen aus dem Vorjahr in voller Länge zu hören, zwischendurch gibt es Track5‘-Kurzhörspiele zum Wettbewerbsthema „Schließ die Augen!“ und in den Pausen ein Ö1-Buffet. Live-Gast ist diesmal Peter Klein, der als Autor, Journalist und Hörfunkredakteur den Kultursender mitgeprägt hat. Mit ihm führt die Salzburger ORF-Literaturjournalistin Karin Buttenhauser, die den Abend moderiert, ein Gespräch.
Im Hörspiel „Iowa. Ein Ausflug nach Amerika“ (55 Min, Regie: Alice Elstner) – nach ihrem gleichnamigen Roman – erzählt die Autorin Stefanie Sargnagel vom Leben in der US-Provinz. Eingeladen von einem College, Creative Writing zu unterrichten, landet sie in einer Kleinstadt, aus der es ohne Auto kein Entrinnen gibt. Begleitet wird die Wienerin von einer Indie-Ikone, die seit den 80er-Jahren in der alternativen Musikszene Berlins unterwegs ist und ein Konzert für Studierenden geben soll. Vereint in der Gefangenschaft der Einöde freunden sich die Frauen an, spazieren durch die Straßen und sehnen sich nach Abwechslung.
In einer Kleinstadt spielt auch das Hörspiel von Manuela Tomić: „Die Sonne täuscht über das Unglück hinweg“ (52 Min, Regie: Andreas Jungwirth). Einkaufszentrum, Markt, Kreisverkehr, Felder, Wälder, Berge. Mittendrin die Friseurin, der Arzt, die Schuldirektorin, der Lehrer, die Kundin, der Bauer, sein Sohn und Hanna. Ihr Kopf ist voller Poesie, voll der Liebe zu ihrem Sohn, voll sexueller Fantasien – und Zorro. Hanna ist Seherin, spricht mit Vögeln und stolpert manchmal über ihre eigenen Füße. Doch jede Gemeinschaft braucht so jemanden – als Inspiration, Korrektiv und Schutzengel, denn „die Sonne täuscht über das Unglück hinweg“.
Um ein kurzes Innehalten in einer bewegten Welt geht es im Hörspiel „Vier Stürme, ein Sturm“ (54 Min, Regie: Leonhard Koppelmann) von Philipp Blom. Ein Sturm fegt durch eine beliebige Stadt. Dort steht ein Baum, dem Blitzeinschlag und Winde einen Ast aus der Krone brechen. Drumherum vier Schicksale, die von inneren Stürmen umgetrieben werden. So kehrt sich der Sturm ins Gegenteil, wird zum stillen Reflexionsort großer Themen wie Einsamkeit, Liebe, Schönheit und dem (selbst)zerstörerischen Konflikt zwischen dem Raubtier Mensch und seiner Lebenumwelt.
Stefanie Sargagel, geb. 1986 in Wien, wo sie als Autorin und Cartoonistin lebt. Sie veröffentlicht Bücher, schreibt fürs Theater, spielt in Filmen und betreibt einen Webshop. 2025 erhielt sie den Bremer Literaturpreis.
Manuela Tomić, geb. 1988 in Sarajevo, lebt in Wien. Sie schreibt Prosa, Lyrik und ist als Hörspielautorin tätig, „Blasse Stunden“ ist mit dem Prix Europa 2024 ausgezeichnet.
Philipp Blom, geb. 1970 in Hamburg, lebt als Autor, Historiker, Journalist, Moderator und Übersetzer in Wien.
Seit 1991 ist im stadteigenen, über 400 Jahre alten Gebäude des Eizenbergerhofs im Stadteil Lehen beim Stadtwerke-Areal das Literaturhaus Salzburg beheimatet. Aus dem anfänglichen Geheimtipp wurde inwischen längst der Ort für das Wort – in Salzburg und weit darüber hinaus.
Ein Trägerverein (mit dem „Jungen Literaturhaus“) und fünf autonome Salzburger Literaturvereine und Autorengruppen – manche von ihnen gibt es bereits seit Jahrzehnten in der Traklstadt – haben sich unter einem Dach organisiert und erarbeiten ein Programm für ein junges und erwachsenes Publikum: abwechslungsreich, engagiert und professionell – nach dem Motto „Literaturhaus Salzburg, wo das Leben zur Sprache kommt“.
Das zweistöckige, historisch wertvolle Gebäude beherbergt neben Veranstaltungsräumen, die auf Anfrage vermietet werden, und Büros auch eine Bibliothek und ein kleines Café (abends bei Veranstaltungen geöffnet) – benannt nach dem Dichter H.C. Artmann, Namenspatron für den Platz vor dem Haus.